Im emsländischen Heede soll ab 2017 Geothermie genutzt werden – Konzept will Pilot-
standort schaffen

(Bericht der Ems-Zeitung vom 21.09.2013)


Große Pläne haben die Initiatoren für das interkommunale Gewerbegebiet Green Energy Park geschmiedet. Foto: Hinrichs

Bis zu 6000 Meter tief wird für Geothermiekraftwerke gebohrt. (Grafik: Siemens/Wikimedie Commons)

Im Gewerbegebiet „Green Energy Park“ an der A 31 im emsländischen Heede wollen die Papenburger Hanrath-Gruppe und die Dersumer Kanne Group für gut 48 Millionen Euro ein Geothermiekraftwerk mit einer Leistung von drei Megawatt elektrisch und zwölf Megawatt thermisch errichten. Verbunden mit dem Projekt ist im Nachgang der Aufbau des Green Energy Parks zu einem landesweiten „Pilotstandort“ für erneuerbare Energien.
Die Pläne stellte Oliver Kugland, Mitglied der Geschäftsführung der Hanrath-Gruppe, während einer Informationsveranstaltung in Heede vor. Kuglands Ausführungen zufolge soll das Erdwärmewerk 2017 in Betrieb gehen. Ob das der Fall sein wird, hängt aber maßgeblich vom Ausgang der bald anlaufenden, rund 250 000 Euro kostenden Machbarkeitsstudie ab. Eine Vorstudie habe dem Vorhaben aber bereits die Wirtschaftlichkeit attestiert. Und das unter den „ungünstigsten Bedingungen gerechnet“.
In jedem Fall gebaut wird zunächst durch die Kanne Group ein Verwaltungsgebäude mit Büros und Schulungsräumen. Dieses bildet sozusagen die Keimzelle des „Zentrums für Geothermie/Erneuerbare Energien“. Die Vermietung der Büros ist laut Kugland bereits unter Dach und Fach. Der Spatenstich soll noch im November erfolgen. Eine Erweiterung des Komplexes ist in den Planungen bereits enthalten.

Heißes Wasser fördern
In die Projektierung des Geothermiekraftwerkes sind die Firma Geodienste GmbH mit Sitz in Garbsen bei Hannover und das Energieforschungszentrum Niedersachsen eingebunden. Laut Professor Dieter Michalzik, Geodienste, soll die Wärme aus bis zu 5000 Meter Tiefe gefördert werden. Das Transportmittel ist Wasser. Dieses ist aufgrund zu früherer Zeit durchgeführter Erkundungsbohrungen dort nachweislich vorhanden. Erwartet werde eine Wassertemperatur von rund 165 Grad Celsius. Doch wie hoch diese tatsächlich sein werde, sei ungewiss.
Das Wasser wird durch eine Bohrung in das Kraftwerk befördert, wo die Wärme entzogen wird. Anschließend gelangt das Wasser mit einer Temperatur von nur noch etwa 60 Grad Celsius wieder in die Tiefe. Die Enden der beiden Bohrlöcher werden in der Tiefe etwa 1,5 bis 2 Kilometer auseinanderliegen. Allein für das Anlegen und Nutzbarmachen der Bohrungen kalkuliert die Hanrath-Gruppe mit Kosten von knapp 27 Millionen Euro. Taxe ist laut Kugland, dass 1000 Meter Bohrtiefe etwa zwei Millionen Euro kosten würden.
Der erzeugte Strom soll eingespeist werden, und für die anfallende Wärme sollen in dem spezialisierten Gewerbegebiet feste Abnehmer angesiedelt werden. Zudem ist angedacht, über ein Fernwärmenetz auch Gebäude zu versorgen. Befürchtungen von Bürgern, dass es zu Erschütterungen und Rissen an Häusern kommen könnte, zerstreute Michalzik mit dem Hinweis, dass die geologischen Gegebenheiten gerade mit Blick auf die Sicherheit „sehr gut“ seien.
Während bis 2017 das Kraftwerk stehen soll, ist das Bündeln vielfältiger Kompetenzen auf dem Sektor erneuerbarer Energien im Green Energy Park langfristig ausgelegt. Nach Vorstellung der Hanrath-Gruppe sollen bis zum Jahr 2025 hier Kooperationen mit mehreren Hochschulen, Fach- und Forschungszentren sowie regionalen Wirtschaftsverbänden praktisch in die Tat umgesetzt werden. Daher will man an diesem Standort möglichst viele Experten auf dem Sektor der erneuerbaren Energien ansässig werden lassen. Zudem ist der Aufbau einer internationalen Schulungsakademie zur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften geplant.
Die beiden Gemeinderäte von Dersum und Heede haben kurz vor der Präsenta tion dem Vorhaben in dem interkommunalen Gewerbegebiet zugestimmt. Heedes Bürgermeister Antonius Pohlmann sprach angesichts der vielversprechenden Planungen von einem „Leuchtturmprojekt für Niedersachsen“. Frank Mattioli vom Energieforschungszentrum Niedersachsen stellte fest, dass es seines Wissens ein Projekt dieser Art in ganz Deutschland noch nicht gebe.

Einen Podcast finden Sie unter http://www.emsvechtewelle.de